Review: Das bietet das neue Vegan-Magazin

Unter dem Motto "konsequent leben" kam gestern die erste Auflage des deutschen "Vegan Magazins" von Christian Vagedes auf den Markt. Auf 130 Seiten wird uns dort das vegane Leben mit all seinen Facetten präsentiert. Als überzeugte Veganerin war ich natürlich eine der ersten am Kiosk und werde euch deshalb ein kurzes Review geben. Schonmal eins vorweg: Ich finde, es lohnt sich!
 

Das Vegan Magazin erscheint alle 2 Monate und kostet 3,50 Euro. Auf der Seite von mykiosk könnt ihr schauen, wo ihr es in eurer Nähe ergattern könnt.

 

Der erste Eindruck 


Die Aufmachung ist jung, schlicht und modern - in schwarz, grün, weiß und pink gehalten. Es erinnert also keineswegs an ein Öko-Heftchen mit glücklichen Kühen auf grünen Wiesen und das gefällt mir ziemlich gut. Auf der Titelseite wird ein Foto vom Schauspieler Rolf Zacher präsentiert, der im Heft exklusiv verrät, wie er zur veganen Ernährung kam. Als ich das Magazin aufschlug und das Vorwort las, hatte Herr Vagedes bei mir sofort einen Stein im Brett, denn dort schreibt er:

richtig genießen und verantwortung zu übernehmen gehört zusammen. konsequenz ist das neue zauberwort für glaubwürdigkeit. wir alle sehnen uns nach werten. nach authentizität. und immer mehr reden nicht nur davon, sondern leben auch danach. ganz begeistert. [...] konsequent zu leben bedeutet auch, sich im sinne des ganzen selbst weiterzuentwickeln. überall herrscht aufbruchstimmung. lassen sie sich inspirieren

Diese Zeilen finde ich sehr toll, denn er hat wirklich Recht! Momentan passiert etwas in Deutschland. Die Leute interessieren sich wieder mehr für ihren Körper, fürs "Clean Eating", Veganismus, machen sich Gedanken über Tierschutz, über ihre Mitmenschen und Nachhaltigkeit. Diese schöne Entwicklung klingt auf jeder Seite des Vegan-Magazins irgendwie mit.

Doch natürlich muss man in so einem Magazin auch aufklären. Das Tolle: Niemand wird durch den Dreck gezogen, sondern es werden einfach knallharte Fakten auf den Tisch gelegt. Dies geschieht mit Nachdruck und soll den Leser, insbesondere (noch) Nicht-Veganer, gewiss auch schocken. So wird zum Beispiel gesagt, dass jährlich 50 Milliarden Tiere auf unserem Planeten geschlachtet werden und 120 Tierarten pro Tag aussterben. Diese Zahlen schwarz auf weiß zu sehen und sich die Dimensionen bewusst zu machen, haut den längsten Veganer förmlich um. Hier, und auch an anderen Stellen, regt das Magazin auch wahnsinnig zum Nachdenken an.
 

Die Themen

 
Die Themen sind sorgfältig ausgewählt und ergeben eine Mischung aus Aufklärung, Rezepten, persönlichen Storys, Interviews und Werbung. Der Mix ist meiner Meinung nach perfekt, denn wer will schon ein Magazin, das ständig die Moralkeule schwingt und mit erhobenem Zeigefinger die Nicht-Veganer bekehren will? Hier ist es anders - es werden Fakten, aber auch Produkte und Marken präsentiert, die unser aller Leben schöner und unkomplizierter machen. Untermauert mit fachkundigen Statements, überzeugenden Lebensgeschichten und tollen Bildern, kann ich nur sagen: Daumen hoch!
 
 
Hier ein paar Themen aus dem Heft:
 
  • Vegan To Go - Schuhe von veganen Herstellern
  • "einoderaus" - Exklusivinterview mit Professor Colin Campbell
  • "Artgerecht ist nur die Freiheit" - Exklusivinterview mit Autorin Hilal Sezgin
  • Bienensterben - warum wir keinen Honig essen
  • Schnell veg - 20 Einsteiger-Tipps ins vegane Leben
  • Interviews mit Rolf Zacher und Armin Morbach
  • purevegan High-Fashion Fotostrecke
  • Rezepte für vegane Mayonaise oder Pink Maki Sushi
  • Interviews mit Sportlern, die sich vegan ernähren
  • und vieles mehr
 

Kritik

 
Negative Kritik gibt es eigentlich  fast keine. Das Einzige, was mich ein bisschen stört: Das gesamte Heft ist in Kleinbuchstaben geschrieben. Das hat zwar einen gewissen Wiedererkennungswert, allerdings ist das für die Augen ziemlich ungewohnt, sodass man manchmal übersieht, wo ein Satz zu Ende ist und der nächste aufhört. Daran gewöhnt man sich aber nach einer Zeit.
 

Fazit

 
Das Magazin eignet sich für Veganer, Vegetarier, Flexitarier und Fleischesser gleichermaßen und ist alles in allem absolut stimmig. Mir hat es Spaß gemacht, es zu lesen (ich hatte es in knapp einer halben Stunde durch) und es ist alles seriös recherchiert. Ich werde gleich heute das erste Rezept ausprobieren ;-). Das Magazin hält also absolut, was das Titelblatt verspricht. Konsequent eben.
 
 
Ein paar weitere Infos und Storys findet ihr übrigens auf der Internetseite hier
 
 
Stay tuned and vegan,
 
 
Juliane
 



Kommentare

  1. Hallo Juliane.

    Die Zahlen, die du so beeindruckend findest, sind allerdings teilweise nachweislich falsch. So sollen angeblich 260.000 Kinder pro Tag an Hunger sterben. Laut UNICEF starben im Jahr 2010 täglich ca. 21.000 Kinder unter 5 Jahren pro Tag, davon ca. ein Drittel an Unterernährung. Die Zahl im Veganmagazin ist also um 3700% höher als der tatsächliche Wert. Dieser ist zwar immer noch erschreckend, aber "7.000 tote Kinder pro Tag durch Hunger" klingt halt nicht so gut wie "260.000 tote Kinder pro Tag durch Fleischkonsum".
    Auch die Fläche der täglichen Bodenerosion ist viel zu hoch angesetzt. Würden tatsächlich 66 Millionen Hektar Bodens pro Tag durch Erosion verloren gehen, dann wäre die Erde in etwas weniger als einem Dreivierteljahr völlig unbewohnbar.

    Ein Magazin, das solche Effekthascherei betreiben muss, unterstütze ich nicht mehr.
    Viele Grüße.

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  2. Hallo und vielen Dank für deinen Kommentar!

    Schade, dass man solchen Zahlen nicht vertrauen kann! Ich hatte auch noch keine Gelegenheit, mich intensiv mit dem Thema zu befassen, aber das zeigt wieder, dass man nicht alles glauben sollte, was man liest! Ich meine, dass das Vegan Magazin auch Quellen genannt hat, da schau ich nachher noch einmal nach. Also danke für den Denkanstoß!

    Liebe Grüße, Juliane

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  3. Bitte, gern geschehen.
    Im Veganmagazin sind als Quellen der Statistik die Vereinten Nationen angegeben. Vermutlich bezieht sich der Autor also auf die Untersuchungen der UNICEF. Dass diese Untersuchungen aber andere Zahlen nennen, ist auf der unicef.de einsehbar. (Suchparameter "Kindersterblichkeit")
    Laut einer Studie starb im Jahre 2013 alle 5 Sekunden ein Kind. Das ist eine grausame Zahl, keine Frage. 12 Kinder pro Minute, 720 Kinder pro Stunde und 17280 Kinder pro Tag! Über 6,3 Millionen Kinder pro Jahr! Allerdings sind diese Kinder nicht allesamt an Unterernährung gestorben. Gemäß dem Report "Levels and Trends of Child Mortality" der UNICEF von 2011 sind die häufigsten Todesursachen bei Kindern Lungenentzündung (18% der Todesfälle), Durchfallerkrankungen (15%), Frühgeburten (12%) oder Ersticken des Kindes während der Geburt (9%). Viele Kinder starben zum Beispiel an mangelnder medizinischer Versorgung (Impfungen und Antibiotika), an mangelnder Infrastruktur (Moskitonetze zur Abwehr von malariainfizierten Stechmücken), an Komplikationen bei der Geburt (keine ausgebildeten Hebammen vor Ort) und so weiter.

    Woher der Autor des Veganmagazins also die unglaubliche Zahl von 260.000 verhungerten Kindern hat, ist mir nicht bekannt. Eine genauere Quelle gibt er leider nicht an. Ich finde es nur ziemlich seltsam, derart aufgebauschte Zahlenbeispiele zu bringen, die derart weit an der Wirklichkeit vorbeigehen. Ist die Realität für die Macher des Veganmagazins nicht schockierend genug? Müssen auf diese Weise wirklich Sympathiepunkte bei den Leserinnen und Lesern gesammelt werden?
    Wenn die Erosionszahlen stimmen würden, wäre innerhalb von nicht einmal 9 Monaten die Erde buchstäblich "boden-los".
    Würden pro Tag 260.000 Kinder an Hunger sterben, hätten wir vermutlich kein Bevölkerungswachstum sondern einen Bevölkerungsschwund, weil pro Tag überhaupt "nur" 345.600 Kinder weltweit geboren werden und man die Todesfälle bei der Geburt sowie durch Krankheiten, Unfälle usw. ebenfalls einkalkulieren müsste.

    Ich kann mir vorstellen, dass sich solche riesigen Zahlenkolonnen in einem Heft wie dem Veganmagazin gut machen und für große Augen bei Veganern und Nichtveganern sorgen. Umso peinlicher ist es aber halt, wenn man diese Zahlen auf den Prüfstand stellt und merkt, dass sich die Autoren da hoffnungslos verrannt haben.
    Ich höre schon so einige Leute kichern: "Hey, iss mal Fleisch! Da lernst du auch das Rechnen!"

    Ob man die Hungersnöte auf dem Globus per se den Fleischliebhabern in die Schuhe schieben kann, mag ich nicht beurteilen. Ich nehme stark an, dass da auch noch einige andere Faktoren mit hineinspielen. Aber dass eine um des Effektes willen um den Faktor 37 hochgerechnete Zahl von verhungerten Kindern nicht dazu geeignet ist, irgendwen vom Veganismus zu überzeugen, darf als relativ gesichert gelten. Ich zumindest komme mir bei solchen journalistischen Praktiken verschaukelt und für dumm verkauft vor. So etwas erwarte ich allenfalls von der BILD-Zeitung, und nicht einmal Springer hätte sich wahrscheinlich zu solchen abstrusen Zahlen hinreißen lassen.

    Gab es eigentlich in der aktuellen Ausgabe irgendeine Richtigstellung oder einen Kommentar von Seiten der Redaktion dazu? Nur rein interessehalber.

    Viele Grüße und einen schönen Abend.

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  4. "Gab es eigentlich in der aktuellen Ausgabe irgendeine Richtigstellung oder einen Kommentar von Seiten der Redaktion dazu? Nur rein interessehalber."

    Sieht nicht danach aus. :-D

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  5. Huhu :)

    ich habe auch das zweite Vegan Magazin getestet (http://veganaholic.blogspot.de/2014/06/review-das-bietet-das-neue-vegan.html) und bin diesmal absolut nicht begeistert gewesen.

    Eine Richtigstellung gab es nicht, lediglich zur Thematik "Kleinschreibung", die ja viele bemängelt haben, haben sie sich geäußert (was ich prinzipiell nicht schlecht finde). Zu den Zahlen wurde nichts gesagt. Ich schätze aber auch, das liegt einfach daran, dass viele diese einfach nicht hinterfragen. Das ging mir ja genauso. Vielleicht sollte man mal den ein oder anderen Leserbrief schreiben und um Klarstellung bitten.... oder hast du das vielleicht sogar schon getan?

    Liebe Grüße, Juliane

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  6. Hallo Juliane.

    Es mag vielleicht böse klingen, und möglicherweise tue ich dem Mann damit auch unrecht. Aber ich hatte bisher nicht das Gefühl, dass sich Herr Vagedes gern korrigieren lässt, oder dass er gar bereit wäre, Fehler offen zuzugeben. Meiner Erfahrung nach lässt er sich gern bejubeln, lässt aber keine kritischen Stimmen zu und löscht unliebsame Kommentare zum Beispiel sehr rasch von seinem Facebook-Account.

    Dieses Bild wird von dem Umstand ergänzt, dass bei seinem "Veganen Gesellschaft Deutschland e.V." nur Fördermitgliedschaften erworben werden können. Die einzigen Vollmitglieder sind meines Wissens nach Christian Vagedes selbst, seine Frau, und ein paar weitere Gründungsmitglieder. Da man als Fördermitglied kein Stimmrecht, also auch kein Mitspracherecht in diesem Verein hat, hat eine solche Mitgliedschaft doch einen faden Beigeschmack. Fies ausgedrückt könnte man sagen: "Gib uns dein Geld, aber halt sonst die Klappe." Auch diese Posse macht mir Christian Vagedes und den VGD e.V. nicht sympathischer.

    Was man von seinen Forderungen hält, z.B. ein ganzes Monatsgehalt zum Aufbau eines veganen Werbeetats zu spenden, ist sicher Ansichtssache. Zumal meines Wissens nach - ich lasse mich gern korrigieren - die meisten Werbeaktionen der VGD von Christian Vagedes selbst durchgeführt werden und somit dieser Werbeetat wohl zu einem Teil auch in seine eigene Tasche fließen würde. Ein Schelm, wer dabei Schlechtes denkt.

    Ich würde auch nicht wollen, dass irgendjemand ohne meine Erlaubnis oder gar ohne mein Wissen, so wie es Christian Vagedes mal vorhatte, mit einem Werbebus an die Schule meiner Kinder fährt, und dort Werbeveranstaltungen abhält. Natürlich kann man argumentieren, dass es ja für eine gute Sache wäre. Aber ich möchte das trotzdem nicht. Man kann sich die Reaktionen der nichtveganen Eltern vorstellen, die dann Zeter und Mordio schreien, wenn jemand versucht, heimlich ihre Kinder vom Veganismus zu überzeugen. Dann schaden solche Aktionen oftmals der veganen Sache mehr, als dass sie ihr nützen.

    Vielleicht ist es vor diesem Hintergrund verständlicher, dass ich Herrn Vagedes lieber keine Leserbriefe schreibe. Der zu erwartende Effekt lohnt meiner Meinung nach den Aufwand nicht.

    Liebe Grüße nach Lüneburg.

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  7. PS:
    Solltest du selbst einen Leserbrief an Herrn Vagedes oder die Redaktion des Veganmagazins (was ja dasselbe ist) schreiben, wäre es schön, wenn du die Antwort - so sie denn erfolgt - mit deinen Lesern teilen würdest. Ich prophezeie, dass es keine Antwort geben wird. Für das Zugeben von Fehlern (Lügen?) ist meiner Meinung nach im Weltbild des Herrn Vagedes kein Platz.

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  8. Hallo Juliane.

    Auch wenn du diesen Kommentar sicher (wieder) nicht veröffentlichen wirst, würde ich an deiner Stelle mal auf die Facebookseite des "neuen" Welt Vegan Magazins schauen. Offenbar gab es da ein massives Datensicherheitsleck bei der Abonnentenliste des alten Veganmagazins. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass die Macher des neuen Veganerblattes ihr Werk an die Abonnenten von Vagedes' Blättchen ausliefern, das ja offenbar nicht mehr existiert?
    Die Art und Weise, wie die Macher des Welt Vegan Magazins versuchen, ihre Verantwortung für den Datenschutz auf die Verteilfirma abzuwälzen und sich selbst eine "reine Weste" zu verschaffen, grenzt schon an Volksverdummung. Aber mit den Veggies kann man's offenbar machen.

    Viele Grüße
    Eisenbahnfan

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  9. Hallo Eisenbahnfan,

    ich habe die Diskussionen dazu schon mitbekommen und finde es ebenfalls alles sehr suspekt und verantwortungslos. Es ist auch sehr komisch, dass es bisher kein Statement dazu gibt - oder hab ich es einfach nicht gelesen? Vielen Dank, dass du mich noch einmal darauf hingewiesen hast - ich werde die Diskussion weiter verfolgen.

    Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche,

    Juliane

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  10. Ah, gerade habe ich etwas gefunden...

    "Liebe Leser,liebe Fans, bereits mehrfach gibt es offene Fragen zum Thema Abo-wir möchten euch weder unaufgeklärt lassen, noch drücken wir uns um eine Antwort-Selbstverantwortung steht bei uns ganz oben-doch eure Fragen berühren unsere Auslieferungsfirma Stella Distribution welche für uns die Logistik und den Abo-Vertrieb übernommen hat- hier scheint etwas innerhalb der Kundenkommunikation schief gelaufen zu sein- dafür haben wir uns bereits entschuldigt, weil ihr uns wichtig seit- unabhängig davon, dass dieses Abo Thema nicht in unserer Verantwortung lag- wenn ihr Details benötigt, dann bitten wir euch direkt an den Leiter stefan.prehm@stella-services.de zu schreiben-Danke für euer Verständnis"

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  11. Und genau derartige Äußerungen von den "Welt Vegan Magazin"-Leuten sind es, die ich oben als "Verantwortung abwälzen" und "reine Weste verschaffen" bezeichnet hatte. Wer soll denn bitte dieses Märchen glauben? Hier ist massiv gegen den Datenschutz verstoßen worden. Und wenn das Welt Vegan Magazin nichts mit dem Veganmagazin von Christian Vagedes zu tun hätte, wie die Macher auf Facebook behaupten, dann frage ich mich schon, wie die an die ganzen Adressen gekommen sind.

    Um es mit Shakespeare zu sagen: "Da ist was faul im Staate Dänemark."

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  12. Wieder einmal ein kleines Update zum Thema "veganmagazin": Bei der Plattform Indyvegan.org findet sich eine sehr gute Rezension zur Dezemberausgabe. Schöner und eloquenter als diese Damen und Herren hätte ich es nicht ausdrücken können. Entgegen meiner sonstigen Tendenz, keine Links zu posten, mache ich das an dieser Stelle.

    http://indyvegan.org/veganmagazin-von-ruediger-dahlke-sexismus-schleichwerbung/

    Viel Vergnügen beim Lesen.

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